Dr. Heiderose Hansen: Ich engagiere mich seit 2012 in der Praxis ohne Grenzen in Preetz

Was passiert, wenn Menschen krank werden – aber keine Krankenversicherung haben? Für rund eine Million Menschen in Deutschland ist genau das Realität. Dr. Heiderose Hansen engagiert sich deshalb seit vielen Jahren ehrenamtlich in der Praxis ohne Grenzen in Preetz. Dort behandelt ein kleines Team aus medizinischen Fachkräften Menschen, die sonst keinen Zugang zum Gesundheitssystem hätten. Im Interview erzählt sie, warum ihr dieses Engagement so am Herzen liegt und warum die Praxis Unterstützung braucht.

(Foto: Freiwilligenzentrum im Kreis Plön)

05.03.2026

In unserer Interview-Reihe Freiwillig im Kreis Plön beantworten Menschen aus dem Kreis Plön die Frage, warum sie sich ehrenamtlich engagieren. Diese Beiträge machen das vielfältige Engagement im Kreis sichtbar und ermöglichen Einblicke in verschiedene Ehrenamtsfelder. Unser Ziel ist es, Menschen zu inspirieren, die sich ebenfalls ehrenamtlich engagieren möchten.

Wer sind Sie und wofür engagieren Sie sich ehrenamtlich im Kreis Plön?

Ich heiße Dr. Heiderose Hansen und engagiere mich seit 2012 in der Praxis ohne Grenzen im Haus der Diakonie in Preetz. Wir betreuen Menschen, die krank sind und keine Krankenversicherung haben. Jeden Mittwochnachmittag zwischen 15 und 17 Uhr bieten wir eine Sprechstunde in den Räumen der Diakonie in Preetz an. Anwesend sind dann ein Arzt/Ärztin und eine medizinische Fachkraft. Wir behandeln einfachere Fälle selbst, stellen Rezepte aus und überweisen zum Facharzt, oder ins Krankenhaus, wenn das erforderlich ist.

Warum liegt Ihnen dieses Thema besonders am Herzen?

Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland ca. 1 Mio. Menschen, die nicht krankenversichert sind. Sie haben keinen Zugang zu unserem Gesundheitssystem und brauchen dringend Hilfe. Betroffen sind Menschen jeden Alters, auch Kinder. Oft handelt es sich um ehemalige Selbständige, die durch eine persönliche Notlage ihre private Krankenversicherung verloren haben und keine Krankenkasse finden, die sie wieder aufnimmt. Das ist für diese Menschen ein großes Problem und wir versuchen da Abhilfe zu schaffen.

Wie sehen Ihre typischen ehrenamtlichen Aufgaben aus?

Wir haben nur einen kleinen Praxisraum mit ganz einfacher Ausstattung. Trotzdem versuchen wir, jedem Patienten gerecht zu werden und ihn bestmöglich zu behandeln.

Zum Glück verfügen wir über ein gutes Netz von Facharztpraxen und Kliniken, die mit uns zusammenarbeiten und die unsere Arbeit unterstützen. Auch Behandlungen beim Zahnarzt können wir vermitteln und entsprechende Überweisungen ausstellen.

Wir stellen Rezepte aus, die in einer örtlichen Apotheke eingelöst werden können, die Kosten übernehmen wir. Da wir nicht so unter Zeitdruck stehen wie die "normalen" Praxen, haben wir meistens Zeit für unsere Patienten und können Ihnen auch mal einfach zuhören.

Für welches Problem suchen Sie eine Lösung?

Wir arbeiten ehrenamtlich und finanzieren uns ausnahmslos aus Spenden. Noch vor 2 Jahren gab es Zuschüsse vom Sozialministerium des Landes SH, die allerdings gestrichen wurden und inzwischen nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Behandlung unserer Patienten ist aber teilweise sehr teuer, v.a., wenn Operatioen erforderlich sind, oder teure Medikamente, z.B. gegen Krebs verordnet werden müssen. Wir sind deshalb dankbar für jede Spende, die unsere Arbeit ermöglicht.

Ein großes Anliegen ist es für uns auch, die Patienten, die nicht versichert sind, wieder in eine Krankenversicherung zu bringen. Das ist oft sehr mühsam und kompliziert und übersteigt oft auch unsere Kompetenzen. Wir sind deshalb auch bemüht, Kontakt zu Behördenlotsen, Sozialverbänden oder Beratungsstellen herzustellen, die dieses Ziel unterstützen.

Wer sollte Sie kontaktieren? Welche Art von Unterstützung wäre hilfreich?

Jeder, der nicht krankenversichert ist und medizinische Hilfe braucht, ist bei uns willkommen. Soweit es in unserer Macht steht, werden wir versuchen zu helfen.

Freuen würden wir uns auch über eine Verstärkung unseres ärztlichen Teams. Falls es Ärzte gibt, die unsere Arbeit unterstützen wollen, egal welcher Fachrichtung, meldet euch! Wir freuen uns auf euch!

Wer die Praxis mit einer Spende unterstützen möchte, kann dies gern über unser Spendenkonto (Evangelisch-Lutherischer Kirchenkreis Plön-Segeberg, Evangelische Bank, IBAN: DE04 5206 0410 5006 4637 46, BIC: GENODEF1EK1) tun. Bitte als Spenden-Zweck unbedingt "Praxis ohne Grenzen" angeben. Wenn Sie eine Spendenbescheinigung möchten, teilen Sie uns bitte Ihren vollständigen Namen und Ihre Adresse in der Überweisung mit.

Wo finden wir Sie im Internet und im Kreis Plön? 

Die Praxis ohne Grenzen bietet jeden Mittwoch eine offene Sprechstunde in der Zeit von 15:00 bis 17:00 Uhr im Haus der Diakonie (Am Alten Amtsgericht 5 in 24211 Preetz). In dieser Zeit sind die behandelnden Ärzt*innen auch telefonisch zu erreichen unter Tel. +49 4342 717-20. 

Mehr Informationen finden Sie auf unserer Website.

Vielen Dank für das Interview!

 

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