Jan-Philipp Wergin: Ich engagiere mich für ein nachhaltiges Miteinander

Vom einfachen „Gib-und-Nimm-Schrank“ zum starken Netzwerk für Nachhaltigkeit: Jan-Philipp Wergin zeigt, wie aus einer kleinen Idee eine ganze Bewegung entstehen kann. Was ihn antreibt, wie er Ehrenamt, Familie und Politik verbindet und warum ihn das Thema Zukunft so persönlich berührt, erzählt er im Interview. Ein Einblick, der Lust macht, selbst Teil dieses solidarischen Miteinanders zu werden.

05.05.2026

In unserer Interview-Reihe Freiwillig im Kreis Plön beantworten Menschen aus dem Kreis Plön die Frage, warum sie sich ehrenamtlich engagieren. Diese Beiträge machen das vielfältige Engagement im Kreis sichtbar und ermöglichen Einblicke in verschiedene Ehrenamtsfelder. Unser Ziel ist es, Menschen zu inspirieren, die sich ebenfalls ehrenamtlich engagieren möchten.

Wer sind Sie und wofür engagieren Sie sich ehrenamtlich im Kreis Plön?

Ich heiße Jan-Philipp Wergin und habe mit meiner Frau Janine vor knapp 6 Jahren den Gib-Nimm-Schrank in Preetz als Kreislaufprojekt ins Leben gerufen. Es ist ein Ort, an dem man gebrauchte Dinge verschenken und kostenlos mitnehmen kann. Inzwischen ist aus dem Schrank sogar ein Häuschen namens Gib-und-Nimm-Haus geworden.

Für mich war das der Startschuss für umfangreiches ehrenamtliches Engagement: Ich bin in der Preetzer Kommunalpolitik bei Bündnis 90/Die Grünen aktiv, engagiere mich bei foodsharing und PANK (dem Preetzer Aktionsforum Nachhaltigkeit und Klimaschutz), war für die PreBEG in Sachen Fernwärme im Einsatz und bin im Verein Teilen und Tauschen Preetz e.V. aktiv, der inzwischen das Gib-und-Nimm-Haus betreibt. Wir sind Neu-Preetzer und durch die positiven Kontakte und Erfahrungen rund um unseren Kreislaufschrank ist mein Engagement mehr und mehr gewachsen.

Warum liegt Ihnen dieses Thema besonders am Herzen?

Als ich vor knapp 8 Jahren Vater wurde, habe ich stärker realisiert, in welchem Zustand sich die Welt befindet. Meine Kinder haben mich bewogen, Dinge zu hinterfragen – auch für ihre Zukunft. Meine Frau und ich wollten ganz pragmatisch im Kleinen eine Plattform für Nachhaltigkeit, Ressourcen-Schonung und nachbarschaftliches Miteinander schaffen: Indem Preetzerinnen und Preetzer Gebrauchtes weitergeben und weiterverwenden, verlängert sich die Nutzungsdauer der Dinge. Sie bleiben im Kreislauf. Das vermeidet Abfall und schont den Geldbeutel.

Was daraus geworden ist, hätte ich mir im Leben nicht vorstellen können! Riesiger Zuspruch für diese nachhaltige Idee, eine immense Beteiligung – auch bei Hilfsaktionen (z.B. Sachspenden für Obdachlose), in die wir uns einklinken. Wir haben ein unglaublich liebes und engagiertes Team aufgebaut. Die Idee des solidarischen Miteinanders steckt an: Aus einem kleinen Versuch ist ein Netzwerk mit engagierten Preetzerinnen und Preetzern entstanden, die sich gegenseitig kennenlernen und aushelfen. Das berührt mich sehr und ich bin dafür sehr dankbar.

Wie sehen Ihre typischen ehrenamtlichen Aufgaben aus?

Ich halte unser Gib-Nimm-Haus instand, übernehme Handwerkliches und sorge dafür, dass es einen pfleglichen Eindruck macht. Als 2. Vereinsvorsitzender entwickle ich die Zukunftsideen für unser Projekt mit und bin ein Ansprechpartner für verschiedenste Belange. Oft halte ich meiner Frau den Rücken frei: Sie ist häufig während der Öffnungszeiten des Gib-und-Nimm-Hauses eingespannt und erledigt viel im Hintergrund für das Projekt, während ich die Kinder betreue und den Haushalt mache.

Bei foodsharing rette ich als ausgebildeter Foodsaver Lebensmittel vor der Tonne, die von kooperierenden Märkten nicht mehr verkauft werden können, und stelle sie zur Verfügung. Sie können über einen „Fairteiler“, einem festen Platz vor unserer Haustür, von anderen Menschen mitgenommen und aufgebraucht werden.

Mein politisches Engagement für Bündnis 90/Die Grünen findet u.a. in Fraktionssitzungen, bei Wochenmarktständen (jeden 1. Samstag im Monat) und im persönlichen Kontakt zu Bürgern sowie anderen Akteuren der Kommunalpolitik statt. Als Mitglied im Ausschuss für Mobilität und Infrastruktur (MoIN) arbeite ich mich in viele Themen ein und denke Nachhaltigkeit und Klimaschutz mit.

Bei der PreBEG war ich im Werkteam, habe Mitglieder-Post verteilt und öffentlich Werbung gemacht für das großartige Vorhaben, das nun zu meinem Bedauern gescheitert ist.

Welche Erfolge konnten Sie in letzter Zeit feiern?

Die Vereinsgründung mit Anerkennung der Gemeinnützigkeit war ein großer Schritt. Wir haben das Gib-und-Nimm-Haus barrierefreier gestaltet: bessere Beleuchtung, Beschriftung und ebener Boden. Im vergangenen Jahr haben wir beim Fahrrad- und Umweltfest Preetz an unserem Infostand erstmals eine Versteigerung gemacht, die gut ankam und wiederholt wird. Zudem freue ich mich über das Vertrauen des Grünen Ortsverbandes, der mich zum Sprecher gewählt hat und den ich im MoIn-Ausschuss der Stadt vertreten darf.

Wer sollte Sie kontaktieren? Welche Art von Unterstützung wäre hilfreich?

Wir suchen engagierte Menschen für die Öffnungszeiten des Gib-und-Nimm-Hauses (Annahme, Anmeldung, Sortieren), aber noch viel dringender für Aufgaben darüber hinaus: Öffentlichkeitsarbeit, Buchhaltung, Akquise von Fördermitteln, Weitertransport von Dingen, Planungsaufgaben, Kooperationsprojekte ... es kommt viel Ehrenamt zusammen, das man auf den ersten Blick nicht sieht. Das muss sich auf noch mehr Schultern verteilen.

Wo finden wir Sie im Internet und im Kreis Plön? 

Über unsere Webseite gibnimmhaus.de oder bei Instagram unter gib_nimm_schrank sind wir zu finden. Wir sind während der Öffnungszeiten des Gib-und-Nimm-Hauses vor Ort in der Wilhelm-Raabe-Straße 104 ansprechbar. Mich persönlich erreichen Sie auch direkt per Mail an Jan-Philipp.Wergin@Gruene-Preetz.de

Wer im Kreis Plön sollte diese Fragen auch einmal beantworten?

Mit Thomas Wick, Ingeborg Wittig, Dietrich Sturm und Anderen sind bereits viele zivilgesellschaftlich engagierte Menschen interviewt worden. Spontan denke ich an Jakob Everding aus Preetz und seine Tätigkeit für das Technische Hilfswerk, Tina Kattemeyer und Wolfgang-Dieter Glanz für ihr Engagement bei PANK oder die engagierten Mitglieder des Treff Preetz e.V. und der „Jugend Power Preetz". Preetz hat viel zu bieten – Ehrenamt verbindet uns. Finde Deines!

Vielen Dank für das Interview!

 

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